Olympus OM-1n top

Die Olympus OM-1n

Am liebsten kaufe ich Kameras auf Flohmärkten. Ich habe dort meine beiden Olympus Trip 35, die Olympus XA 2 und die XA gefunden (und das alles für weniger als 35 € pro Kamera). Und obwohl die “Olympus-Abteilung” meiner Sammlung mit den Pen Halbformat begonnen hat, haben mich erst diese vier Flohmarkt-Findlinge und letztendlich die 35 RC meiner Frau zu einem Olympus-Fan gemacht. Ich liebe das eher reduzierte Design, die hervorragenden Objektive und die einfache Bedienung. Sollte dieser unvollständige Olympus-“Teil” meiner Sammlung, in dem nur noch die SP, die PEN F und die OM-1 auf meiner Wunschliste fehlen, derjenige sein, der “vollständig” werden könnte?

Doch zurück zu den Flohmärkten: Die meisten waren wegen der Corona-Krise geschlossen. Und selbst wenn sie offen gewesen wären, hätte ich nicht gewusst, wo sie waren, da wir gerade erst von Berlin in den Südwesten Deutschlands gezogen waren. Aber dann, im Sommer, öffneten die Flohmärkte wieder, und einer der ersten, von denen ich hörte, war ein Hofverkauf in meiner schönen Heimatstadt, Villingen. Und glücklicherweise erklärte sich meine Nichte bereit für mich dort hinzugehen, und jede Kamera aufzuspüren, die sie finden konnte.

Direkt vom ersten Stand hat sie schickte sie diese Nachrichten:

Eine Woche später lieferte sie die Kamera zu uns nach Hause, und die Kamera war in bestem Zustand (bis auf die Lichtdichtungen, aber ich finde, das ist nicht immer eine große Sache), und sogar der Belichtungsmesser schien zu funktionieren.

Über die Olympus OM-1n

Da das Olympus OM-System den Markt der (semi)professionellen Spiegelreflexkameras revolutionierte oder gar begründete, ist über dieses Meisterwerk des legendären Yoshihisa Maitani schon fast alles geschrieben. Die vollständige Geschichte dieser Kamera, erzählt von ihrem Schöpfer, kann und sollte hier nachgelesen werden. Die kurze Version ist, dass Olympus nach der äußerst erfolgreichen PEN-Serie eine kleinere und leichtere Kamera als die Nikon F-Serie bauen wollte, die sowohl für den privaten als auch für den professionellen Gebrauch geeignet sein sollte. Und wenig überraschend haben sie es geschafft. Die Kamera kam im Juli 1972 als M-1 (Maitani 1) auf den Markt und wurde nach (angeblichen) Forderungen von Leica in OM-1 umbenannt, damit sie von den Käufern nicht mit deren M-Messsuchern verwechselt werden konnte. Sie war sofort ein großer Erfolg. 1975 kam eine (einfacher zu bedienende) Automatikversion, die OM-2, auf den Markt. Die nächste Version der vollmechanischen OM-1 war die OM-1MD im Jahr 1974, wobei das “MD” für einen optionalen Motorantrieb stand, eine Funktion, die auch in der letzten Version, der OM-1n von 1979, enthalten war, mit einigen zusätzlichen Änderungen am Spannhebel und an der Blitzfunktion.

Die OM-1 ist eine vollmechanische Vollformat-Spiegelreflexkamera (d. h. man kann nicht nur das Objektiv, sondern auch verschiedene andere Teile austauschen, außerdem verfügt sie über eine breite Palette an Zubehör) mit einem proprietären Objektivanschluss und Belichtungsmessung durch das Objektiv. Da sie voll mechanisch arbeitet, werden die Batterien nur für die Belichtungsmessung benötigt.

Aber wie schon geschrieben, all das kann man an anderer Stelle lesen, und zwar von von besseren Autoren als mir. Also hier zu meinen persönlichen Beobachtungen:

Als ich sie zum ersten Mal in den Händen hielt, fand ich, dass sie, obwohl sie die kleinste Spiegelreflexkamera ihrer Zeit war, größer war als ich erwartet hatte, verglichen mit “meiner” anderen japanischen Spiegelreflexkamera, der Nikon FA. Aber dann wurde mir klar, dass die Größe der FA (oder genauer gesagt der FM) eine Reaktion von Nikon (und anderen) auf Maitanis Design war. Das nächste, was mir auffiel, war die ungewöhnliche Platzierung der Verschlusszeiteinstellungen. Nicht wie üblich auf der Oberseite der Kamera, sondern an der Objektivaufnahme. Eine Position, an die ich mich bestens gewöhnt habe, da ich diese “seltsame” Position von meiner ersten Spiegelreflexkamera, meiner Kodak Retina Reflex S, gewohnt war. Das Dritte, was ich langsam entdeckte, war die unglaubliche Präzision aller Metallkomponenten, die mich immer noch jedes Mal überrascht, wenn ich sie in den Händen halte. Und schließlich war der riesige Sucher (ein großes Plus für mich als Brillenträger) eine Freude zu benutzen.

Fotografieren mit der Olympus OM-1n

Für die Benutzung des Belichtungsmessers eine SR44-Batterie mit einer Spannung-reduzierenden Diode oder eine Hörgerätebatterie mit etwas Pappe drumherum einsetzen. (Siehe meinen Post zur Olympus 35 RC, die die gleiche Lösung benötigt). Die Rückseite der Kamera öffnen, indem man die Rückspulkurbel anhebt. Den Film wie gewohnt einlegen, die Rückwand schließen und fertig. Die Filmempfindlichkeit wird durch Drücken des kleinen Knopfes oben rechts neben dem ISO-Einstellrad und dessen Drehen eingestellt (normalerweise ist dieser Platz für das Zeiteinstellrad reserviert). Um den Belichtungsmesser einzuschalten, den Hebel auf der linken Seite auf “ON” stellen und nicht vergessen, ihn nach Gebrauch wieder auf “OFF” zu stellen. Verschlusszeit und Blende an der Objektivaufnahme wählen, die Einstellungen mit dem Zeiger des Belichtungsmessers im Sucher überprüfen, die Schärfe einstellen (und ggf. die Schärfentiefe durch Drücken der Taste unten rechts am Objektivaufnahme überprüfen) und fotografieren. Für Langzeitbelichtungen kann ein Blitzgerät verwendet werden (der Blitzschuh kann abgenommen werden, wenn er nicht benötigt wird), der eingebaute Selbstauslöser, und um Verwacklungen zu vermeiden, kann der Spiegel mit dem Hebel oben rechts neben dem Objektiv verriegelt werden. Um das Maximum aus diesem Profigerät herauszuholen, empfehle ich, das Handbuch der Kamera zu lesen. Das Vorspulen des Films erfolgt wie üblich mit dem Spannhebel, das Auslösen des Films zum Zurückspulen erfolgt nicht so üblich durch Drehen des kleinen Drehknopfs vorne rechts am Gehäuse. Ein kleiner Unterschied, aber man gewöhnt sich sehr schnell daran. Bei den Objektiven gibt es eine riesige Auswahl, allerdings sind manche Objektive auch recht teuer. Ich bin glücklich mit meinem Olympus OM Zuiko 50mm f 1.8 Objektiv (endlich schnell genug für wenig Licht), dem RMC Tokina 80-200mm f 1:4.5 Zoom Objektiv, das der Kamera beiliegt und einem Exakta 28mm f 1:2.8 Objektiv, das ich mir für meinen letzten Urlaub gekauft habe.

Obwohl ich meine verschiedenen Kompaktkameras und Messsucherkameras liebe, mache ich meine besten Familienfotos mit Spiegelreflexkameras. Und wenn der Anlass etwas mit großartiger Qualität, aber (noch) ohne sentimentalen Wert verlangt, ist das die Kamera, die ich nehmen werde.

MarkeOlympus
ModellOlymus OM-1n
Baujahr?, die Kamera wurde zwischen 1979 und 1987 produiziert
Seriennummer1981543
ObjektiveOlympus OM-System Zuiko MC Auto-S 50mm f 1:1.8 (Ser. Nr. 2614919)
RMC Tokina 80-200mm f 1:4.5 (Ser. Nr. 8086860)
Exakta 28mm f 1:2.8 (Ser. Nr. OM97500921)
VerschlussTuchverschluss
Filmformat35mm
BesonderheitenSpiegelarretierung, TTL Belichtungsmesser
ZubehörOriginal Trageband, Okularmuschel, abnehmbarer Blitzanschluss
Hergestellt von Olympus
Kaufdatum07/2021
Preis110 €
Wo gekauft?Hofflohmarkt Villingen, Villingen-Schwenningen

Tipps & Tricks zum Fotografieren mit der Olympus OM-1n

Generell hilft die “sunny f 16″-Regel, damit man überhaupt keine Batterien braucht. Falls man den Belichtungsmesser verwenden möchte (wie ich), sollte man sich 675er-Hörgerätebatterien besorgen. Sie kosten fast nichts, lassen sich leicht in das Batteriefach einsetzen, sind ungiftig und funktionieren. Es gibt auch vergleichsweise günstige Adapter namens MR-9. Auch sie sind ungiftig.

Filmkauf und -entwicklung

Die Kamera kann jeden 35-mm-Film verwenden, der Belichtungsmesser misst zwischen 25 und 1600 ISO, aber da die Kamera vollständig manuell eingestellt ist, kann jeder Film verwendet werden, den man möchte.

https://www.butkus.org/chinon/olympus/olympus_om-1/olympus_om-1.htm (Manual)
https://blog.jimgrey.net/2011/09/19/olympus-om-1/ (Jim Grey hat einen Bericht über die OM-1)
https://blog.jimgrey.net/2015/08/28/another-olympus-om-1/ (Und in Jims zweitem Bericht ist zu lesen, dass die OM-1 auch in Schwarz erhältlich war)
https://casualphotophile.com/2016/04/25/olympus-om-1-camera-review/ (A detailed review on CasualPhotophile)
https://www.photothinking.com/2021-10-20-olympus-om-1n-smaller-is-bigger/ (A quite recent review on Photo Thinking, including reviews of some lenses)

Pictures

The Olympus OM-1 flickr group
Meine Bilder bei Flickr

English Version

imm002_1

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