Die Exakta Varex VX

Alles hat ein Ende, und mit diesem Post endet meine kleine Blogreihe “wie ich einmal fünf Kameras geschenkt bekam und eineinhalb Jahre brauchte um über alle zu schreiben”. Die Ihagee Exakta Varex VX ist meine erste Systemkamera, also eine Spiegelreflexkamera, bei der nicht nur die Objektive sondern auch die Sucher wechselbar sind und für dieses ein umfassende Zubehör mit Zwischenringen, Auslösebrücken, Balgengeräte und vieles mehr erhältlich waren. Die Kamera stammt aus dem Nachlass meines Onkels. Da die Kamera recht spät in die Sammlung kam, kannte ich bereits einige ihrer Besonderheiten: Der Zeitenwähler und der Tuchverschluss sind wir bei meiner FED 4 (die ich bereits nach einem Film erfolgreich zerlegt habe), einem Aufsichtssucher wie bei meiner Recesky DIY TLR, und dem Auslöser vorne am Objektiv wie bei der der Dacora Super Dignette. Allerdings sind Auslöser und Spannhebel nicht wie üblich rechts, sondern links. Was ich bisher nicht kannte, waren ein kombinierter Zeitauslöser der auch zur Langzeitbelichtung dient oder ein integrierter Filmschneider, wofür auch immer der gut sein mag.
Die Kamera ist in einem guten Gebrauchszustand. Anfangs hatte der Verschluss noch ein paar Probleme, beim zweiten Film haderte ich “nur” noch beim Filmtransport.

Über die Kamera:
Die Exakta Varex (oder Exakta VX, da der Namer “Varex” bereits rechtlich geschützt war) wurde von 1950 – 1970 bei Ihagee in Dresden in verschiedenen Varianten hergestellt. Sie basiert auf der Ihagee Kine Exakta, der ersten kommerziell hergestellten Kleinbild Spiegelreflexkamera. Mit Hilfe dieser Liste und der Seriennummer datiere ich mein Modell in die Zeit zwischen 1955 und 1956 als dritte von vier “VX” Varianten. Das Zubehör ist so umfangreich, dass man auf ihrer Basis eine eigene Sammlung aufbauen könnte, ich habe neben dem Durchsichtsucher noch diese fünf Objektive:

  • 1:2,8 50 mm Tessar von Carl Zeiss Jena
  • 1:3,5 35 mm Travegon von A. Schacht / Ulm
  • 1:2,8 85 mm Travenar von A. Schacht / München
  • 1:3,5 135 mm Travenar von A. Schacht / Ulm
  • 1:4,5 240 mm Tele-Ennalyt von Enna / München

Die drei kürzeren Brennweiten 35mm, 50 mm und 85 mm sind sauber und funktionieren wunderbar, beim 135mm “hängt” leider die Springblende und beim 240mm lösen sich bei geöffneter Blende die Blendenlamellen. Die Kamera arbeitet voll manuell, hat zwei PC-Sync Buchsen aber keinen Zubehörschuh für den Blitz, den erwähnten Wechselsucher, ein herausnehmbare Aufnahmespule für den belichteten Film, einen Filmschneider, mit dem der teil-belichtete Film abgeschnitten werden kann und einen Stativanschluss.
Noch etwas Trivia: Die Exakta (Varex) VX war James Stewards Kamera in Alfred Hitchcocks “Fenster zum Hof”

Zum Fotografieren:
Am Knopf unten links an der Kamera ziehen und drehen, um so Rückwand zu entriegeln, dann an der linken Seite öffnen. Jetzt den rechten Knopf ziehen, und Filme rechst einlegen, dann den Knopf wieder eindrücken. Aber nur den äußeren Rand, der inneren Teil erst zum Rückspulen eindrücken. Film in die Aufnahmespule einlegen, spannen und Kamera schließen. Filmzähler links oben auf “1” stellen, wer möchte kann die Filmempfindlichkeit und Art auf der Merkscheibe rechts einstellen. Jetzt die Verschlusszeit 1/25 – 1/1000 einstellen, Blende am Objektiv auslösen, scharf stellen, die kleine Sicherungskappe des Auslösers nach oben schieben und vorne links am Objektiv auslösen. Für den Selbstauslöser den Knopf auf der rechten Seite aufziehen. Für Langzeitbelichtungen den Zeitenwähler auf “T” stellen, wieder den rechten Knopf aufziehen und eine Zeit zwischen 1/5 und 12s einstellen. Für noch längere Belichtung am Zeitenwähler “B” einstellen, der Verschluss bleibt solange geöffnet wie der Auslöser gedrückt bleibt. Zum Wechseln des Suchers den kleine Knopf an der Frontplatte nach unten drücken und den Sucher wechseln. Wenn der Film voll ist, den bis jetzt einzigen noch nicht benutzten kleinen Knopf links oben zwischen Spannhebel und Zeitenwähler  drücken, dann den inneren Knopf unten rechts eindrücken und den Film zurückspulen. Oder einfach in die Dunkelkammer gehen, die kleine Schraube links neben dem Rad lösen und mit dem Filmschneider den Film abschneiden.
Alles in allem ist die Exakt Varex VX eine faszinierende historische Kamera mit einer Unzahl an kleinen Details. Zum Fotografieren nehme ich aber lieber meine Kodak Retina Reflex S oder die Zenit TTL

    

Marke Ihagee
Modell Exakta Varex VX
Baujahr Zwischen 1955 und 1956
Seriennummer 795697
Objektiv 1:2,8 50mm Tessar von Carl Zeiss S.N. 4367574
1:3,5 35mm Travegon von A. Schacht Ulm S.N. 215746
1:2,8 85mm Travenar von A. Schacht München S.N. 32250
1:3,5 135mm Travenar von A. Schacht Ulm S.N. 220885
1:4,5 240mm Tele-Ennalyt von Enna München S.N. 3800958
Verschluss Tuch-Schlitzverschluss
Filmformat 35mm
Besonderheiten Reichlich, unter anderem mechanische Langzeitbelichtung, Wechselsucher, Filmschneider
Zubehör Aufsichtssucher, Auslösebrücke,
Hersteller Ihagee, Dresden
Kaufdatum 2016 (Geschenk mein Cousins)
Preis
Wo gekauft? Königsfeld im Schwarzald

Tipps & Tricks:
Nur einen: Gebrauchsanleitung lesen, die Kamera ist nicht völlig selbsterklärend.

Filmkauf & Entwicklung
Jeder Kleinbildfilm passt, die Bilder auf dieser Seite wurden mit Fuji Superia 400 und Ilford HP 5 gemacht.

Weiterführende Links:
http://www.wrotniak.net/photo/exakta/index.html (Andrzej Wrotniak’s Exakta Seite)
http://www.butkus.org/chinon/exakta/exakta_vx/exakta_vx.htm (Exakta Varex VX Bedienungsanleitung bei Mike Butkus)

Pictures:
Der Exakta Flickr pool
Meine Bilder bei Flickr

Read in English

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